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ePaper Schweizer Bauer

«Im Ackerfutterbau schlummert ein enormes Potenzial», erklärte Günter Steuer an den 1.Grünlandtagen der GMS Handels AG am Donnerstag in Richigen BE. Der neue Ackerbauberater bei der GMS-Ackerbauberatung von geiser.agro.com in Langenthal BE hat lange in der Saatgutvermehrung in Deutschland gearbeitet und kennt die grossen Sortenunterschiede der verschiedenen Gräser- und Kleearten bestens.
Unterschiede bis 1:2
«Allein beim Ertrag nach Trockenmasse gibt es sowohl beim Mais (13 bis 26 t)wie bei Kunstwiesen (8 bis 16 t) Unterschiede von 1:2 zwischen schlechten und sehr guten Erträgen», legte Steuer dar. Silomais bringe zwar mit 6,6 MJ NEL mehr Energie pro Hektare, aber mit bloss 77 Gramm Rohprotein pro Kilo Trockensubstanz viel weniger Rohprotein. Kunstwiesenmischungen brächten bis 180 Gramm Rohprotein. Mit 18% Rohprotein decke solches Futter den Eiweissbedarf in der Rinderfütterung.
Grösste Ackerkultur: KW
Dass der Bauer vermehrt sein Augenmerk auf seine Kunstwiesen KW richten solle, verdeutliche auch die Tatsache, dass in den meisten Schweizer Kantonen der Kunstwiesenanteil mit 13% bis 19% der höchste Anteil aller Ackerkulturen ausmache.
Gegen Standard
«Die Standardmischungen müssen in ihrer Zusammensetzung breit angelegt werden, um alle Ansprüche in verschiedensten Standorten und Regionen der Schweiz zu erfüllen, und sie können damit nur Durchschnitt sein», folgerte Steuer. Doch Durchschnitt sei heute nicht mehr genug. Gerade wenn die Fläche knapp sei, gelte es, viel aus dem Boden herauszuholen. Die Fachzeitschrift «Top Agrar» habe den Unterschied zwischen den schlechtesten und den besten Milchviehbetrieben nicht bei der Leistung oder den Tierarztkosten ausgemacht, sondern den elementaren Unterschied in der Grundfutterleistung der Kühe festgestellt.
So lägen von guter Grundfutterleistung zu sehr guter nochmals 1000 Kilo Milch pro Kuh oder 2000 Kilo pro Hektare durchaus drin. Die Streifenversuche in Richigen seien zwar nicht wissenschaftlich abgesichert, sprächen aber eine deutliche Sprache: «Der beste Ertrag, die höchste Verdaulichkeit und Schmackhaftigkeit, eine ideale Nutzungselastizität, ein schneller Wiederaustrieb, eine gute Befahrbarkeit, eine leichte Konservierbarkeit und ein Optimum an Leistung erbringen nur Mischungen mit sehr hohem Raygrasanteil bis zu Reinsaaten mit geringer Rostanfälligkeit und Standvermögen.»
Für reine Raygrasbestände liessen sich Sorten mit unterschiedlichen Eigenschaften mischen, beispielsweise Bastard-Raygras (Standfestigkeit) mit Englisch Raygras der Sorte «Salamandra» (viel Blatt, feine Stängel).
Spezifische Mischungen
Sowohl Günter Steuer von GMS wie auch Jürg Messerli von Samen Steffen predigen selbst in intensiven Viehhaltungsbetrieben mit viel Gülle kaum Raygras-Reinbestände. Samen Steffen setzt auf Mäh-Weide-Mischungen mit einem «Turbo»-Zusatz, nämlich mit Westerwoldisch Raygras Andrea als Frühstarter und Deckfrucht. Jürg Messerli: «Samen Steffen kennt die Sortenunterschiede und stellt immer mehr individuelle Mischungen mit etwas Klee, Schwingel und diversen Raygrassorten zusammen.»
Genug Kali geben
Dass die Kalidüngung sehr viel in Sachen Ertrag und Qualität sowie Widerstandskraft in Trockenperioden ausmacht, zeigte Marco Humair auf. Kali binde sich im Boden an die «hungrigen», dreischichtigen Ton-Humus-Komplexe. Mit genug Kalidünger könnten die bei einer Untersättigung konkurrenzierenden Kalzium-Ionen «weggeboxt» werden. Ein Teilnehmer erinnerte an den berechtigten Spruch der alten Landwirtschaftslehrer vor 50 Jahren: «Kalk macht die Väter reich und die Söhne arm.»
4 t Kali fehlen pro Hektare
Die GMS-Beratung hat mit Hunderten von Bodenanalysen die Kationenaustauschkapazität KAK gemessen und festgestellt, dass die Böden in den letzten 30 Jahren ausgelaugt worden sind. In vielen Fällen seien bis zu 4 Tonnen Kali nötig, um das Bindungspotenzial zu sättigen und die Kationenaustauschkapazität der Böden abzufedern. Erst dann könne nämlich wieder nach Entzug gedüngt werden.
GMS-Milchviehberatung
«Schlechte Ernährung ist die Mutter jeder Krankheit», erklärte Andreas Bürki. Der Pionier der GMS-Pflanzenbauberatung schlug den Bogen von der Düngung über den Futterbau zur Rindviehhaltung. So soll ab Herbst ein neutrales Herdenbetreuungsprogramm gegen Gebühr angeboten werden. Laut Fütterungsberater Ernst Hunziker orientiert sich GMS Milchvieh am Vorbild der Osnabrücker Herdbuch-Gesellschaft und somit an einer maximalen Milchleistung pro Stallplatz und pro Hektare, einer optimierten betriebseigenen Futtergrundlage, maximalem Kuhkomfort und modernsten internationalen Erkenntnissen. «Die Futteranalysen werden nach van Soest gemacht und nicht mehr nach der in der Schweiz üblichen Weender-Analyse von 1864, welche die verdauliche Hemicellulose immer noch der Rohfaser zurechnet», erklärte Hunziker. Der Fütterungsplan werde mit dem Programm Spartan 2 der Michigan State Universität gerechnet.