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Grünlandtag

Raygräser werden immer wichtiger

Standardmischungen müssen im Durchschnitt überall gut sein und erfüllen deshalb immer weniger die hohen Anforderungen in den spezialisierten Rindviehbetrieben. Rohproteinerträge von 18% sind mit Raygras möglich. Mit Bildergalerie und Videos.
Andreas Bürki: «Wer melken will muss füttern, und seine Herde gut managen. / Rudolf Haudenschild

«Im Ackerfutterbau schlummert ein enormes Potenzial», erklärte Günter Steuer an den 1.Grünlandtagen der GMS Handels AG am Donnerstag in Richigen BE. Der neue Ackerbauberater  bei der GMS-Ackerbauberatung von geiser.agro.com in Langenthal BE hat lange in der Saatgutvermehrung in Deutschland gearbeitet und kennt die grossen Sortenunterschiede der verschiedenen Gräser- und Kleearten bestens.

Unterschiede  bis 1:2

«Allein beim Ertrag nach Trockenmasse gibt es sowohl beim Mais (13 bis 26 t)wie bei Kunstwiesen (8 bis 16 t) Unterschiede von 1:2 zwischen schlechten und sehr guten Erträgen», legte Steuer dar. Silomais bringe zwar mit 6,6 MJ NEL mehr Energie pro Hektare, aber mit bloss 77 Gramm Rohprotein pro Kilo Trockensubstanz viel weniger Rohprotein. Kunstwiesenmischungen brächten bis  180 Gramm Rohprotein. Mit 18% Rohprotein decke solches Futter den Eiweissbedarf in der Rinderfütterung.

Grösste Ackerkultur: KW

Dass der Bauer vermehrt sein Augenmerk auf seine Kunstwiesen KW richten solle, verdeutliche auch die Tatsache, dass in den meisten Schweizer Kantonen der Kunstwiesenanteil mit 13% bis 19%  der höchste Anteil aller Ackerkulturen ausmache.

Gegen Standard

«Die Standardmischungen müssen in ihrer Zusammensetzung breit angelegt werden, um alle Ansprüche in verschiedensten Standorten und Regionen der Schweiz zu erfüllen, und sie können damit  nur Durchschnitt sein», folgerte Steuer.   Doch Durchschnitt sei heute nicht mehr genug. Gerade wenn die Fläche knapp sei, gelte es, viel aus dem Boden herauszuholen. Die Fachzeitschrift «Top Agrar» habe den Unterschied zwischen den schlechtesten und den besten Milchviehbetrieben nicht bei der Leistung oder den Tierarztkosten ausgemacht, sondern den elementaren Unterschied in der Grundfutterleistung der Kühe festgestellt.

So lägen von guter Grundfutterleistung  zu sehr guter  nochmals 1000 Kilo Milch pro Kuh oder 2000 Kilo pro Hektare durchaus drin. Die Streifenversuche in Richigen seien zwar nicht wissenschaftlich abgesichert, sprächen aber eine deutliche Sprache: «Der beste Ertrag, die höchste Verdaulichkeit und Schmackhaftigkeit, eine ideale Nutzungselastizität, ein schneller Wiederaustrieb, eine gute Befahrbarkeit, eine leichte Konservierbarkeit und ein Optimum an Leistung erbringen nur Mischungen mit sehr hohem Raygrasanteil bis zu  Reinsaaten mit geringer Rostanfälligkeit und Standvermögen.»

Für reine Raygrasbestände liessen sich Sorten mit unterschiedlichen Eigenschaften  mischen, beispielsweise Bastard-Raygras (Standfestigkeit) mit Englisch Raygras der Sorte  «Salamandra» (viel Blatt, feine Stängel).

Spezifische Mischungen

Sowohl Günter Steuer von GMS wie auch Jürg Messerli von Samen Steffen predigen selbst in intensiven Viehhaltungsbetrieben mit viel Gülle kaum Raygras-Reinbestände.  Samen Steffen setzt auf Mäh-Weide-Mischungen mit einem  «Turbo»-Zusatz, nämlich  mit  Westerwoldisch Raygras Andrea als Frühstarter und Deckfrucht. Jürg Messerli: «Samen Steffen kennt die Sortenunterschiede und stellt immer mehr  individuelle Mischungen mit etwas Klee, Schwingel und diversen Raygrassorten zusammen.»

Genug Kali geben

Dass die Kalidüngung sehr viel in Sachen Ertrag und  Qualität sowie  Widerstandskraft in Trockenperioden ausmacht, zeigte Marco Humair auf.  Kali binde sich im Boden  an die  «hungrigen», dreischichtigen Ton-Humus-Komplexe. Mit  genug Kalidünger könnten die bei einer Untersättigung konkurrenzierenden Kalzium-Ionen  «weggeboxt» werden. Ein Teilnehmer erinnerte an den berechtigten Spruch der alten Landwirtschaftslehrer vor 50 Jahren: «Kalk macht die Väter reich und die Söhne arm.»

 4 t Kali fehlen pro Hektare

Die GMS-Beratung hat mit Hunderten von Bodenanalysen die Kationenaustauschkapazität KAK gemessen und festgestellt, dass die Böden in den letzten 30 Jahren ausgelaugt worden sind. In vielen Fällen seien bis zu 4 Tonnen Kali nötig, um das Bindungspotenzial zu sättigen und  die Kationenaustauschkapazität der Böden abzufedern. Erst dann könne nämlich wieder nach Entzug gedüngt werden.

GMS-Milchviehberatung

«Schlechte Ernährung ist die Mutter jeder Krankheit», erklärte Andreas Bürki. Der Pionier der GMS-Pflanzenbauberatung schlug den Bogen  von der Düngung über den Futterbau zur Rindviehhaltung. So soll ab Herbst  ein neutrales Herdenbetreuungsprogramm  gegen Gebühr  angeboten werden. Laut  Fütterungsberater Ernst Hunziker orientiert sich  GMS Milchvieh am Vorbild  der Osnabrücker Herdbuch-Gesellschaft  und somit an einer maximalen Milchleistung pro Stallplatz und pro Hektare,  einer optimierten betriebseigenen Futtergrundlage, maximalem Kuhkomfort und modernsten  internationalen Erkenntnissen.  «Die Futteranalysen  werden nach van Soest gemacht und nicht mehr nach der in der Schweiz üblichen Weender-Analyse von  1864, welche die verdauliche Hemicellulose immer noch der Rohfaser zurechnet», erklärte Hunziker. Der Fütterungsplan werde  mit dem Programm Spartan 2 der Michigan State Universität gerechnet.

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Rudolf Haudenschild [11.06.2010 13:28]
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