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Erntetechnik

Spreusammler-Prototyp ist praxisreif

Das Spreusammler-Projekt der SHL Zollikofen hat die zweite Erntesaison erfolgreich überstanden. Noch verbessert werden soll die Logistik beim Transport des Spreus. Eine Lösung bietet das Pressen von Rundballen. Mit Bildergalerie und Videos.
Spreusammler: Während der Ernte wurde die Spreu jeweils am Feldrand deponiert. Später wird das Material zu Silorundballen gepresst. / Heinz Röthlisberger

Ungewohnt ist es schon, wenn man den Mähdrescher mit dem seltsamen Hinterteil zum ersten Mal sieht. Das seltsame Hinterteil, das ist ein Spreusammler, der seit zwei Jahren im Test der Schweizerischen Hochschule für Landwirtschaft SHL Zollikofen steht. Nichts Neues ist der Drescher mit dem Spreusammler für die Leute in der Region rund um Bellechasse FR. Denn dort, auf den Getreidefeldern der Strafanstalten, hat die 5-Schüttler-Maschine in diesem Sommer bereits die zweite Erntesaison absolviert. Letzte Woche orientierte das SHL-Projektteam um Fritz Marti, Bernhard Streit und Nicole Berger in Bellechasse zusammen mit den Partnerfirmen über den Stand der Arbeiten.  

Läuft reibungslos

«Unser Ziel war es, dass der Spreusammler störungsfrei läuft und die Ernte mit dem Mähdrescher nicht beeinträchtigt», sagt Bernhard Streit. Dass dies dem Projektteam gelungen ist, davon konnten sich die zahlreichen Fachleute vor Ort gleich selber überzeugen. Stetig weiterentwickelt wurde in den zwei Projektjahren die Konstruktion und die Technik. Im Gegensatz zu einer ersten Phase, in der die Spreu hinter dem Häcksler aufgefangen wurde, findet dieser Schritt nun unmittelbar hinter dem Siebkasten statt. «So können wir den Spreusammler auch auf Mähdrescher montieren, die nicht über einen Häcksler verfügen», sagt Fritz Marti bei der Präsentation. Einmal aufgefangen, wird die Spreu anschliessend mittels Luftstrom  und auf der linken Seite des Mähdreschers angebrachten Förderrohren in den Aufsetzbunker befördert. Man habe bewusst auf die pneumatische Förderung gesetzt weil diese einfacher zu handhaben sei als die Förderung mit Schnecken, erklärt Marti.

Im Bunker, dessen Seitenwände  aus Gewebe automatisch auf- und zugeklappt werden können, haben je nach Feuchtigkeit rund 1000 kg Spreu Platz. Entleert wird der Bunker nach hinten, dass heisst, die Spreu fällt hinter dem Mähdrescher zu Boden. Gleichzeitig mit dem Spreubunker kann auch der Korntank entleert werden. Auswirkungen hat der ganze Aufbau in der Breite des Mähdreschers keine, in der Länge aber schon. Der hintere Überhang des Bunkers beträgt rund 1,5 Meter. «Das bedingt natürlich mehr Aufmerksamkeit für den Fahrer, vor allem dann, wenn durch Dörfer und enge Kurven gefahren wird», sagt Marti. Das System ist nicht ganz billig. Interessierte müssen mit Investitionen gegen 40000 Franken rechnen. Ziel sei es, durch Optimierungen die Kosten noch  senken zu können. 

Logistik entscheidend

Entscheidend über eine erfolgreiche Markteinführung ist neben der Technik auch die Logistik, also wie die Spreu mit dem tiefen Raumgewicht (25 bis 50 kg/m3) zum Endverbraucher gelangt. Auf dem Landwirtschaftsbetrieb in Bellechasse wird die Spreu jeweils am Feldrand deponiert, nach der Ernte zu Silorundballen mit einem Raumgewicht von rund 175 kg/m3 gepresst und anschliessend zum Stall transportiert, wo die Spreu bei den Milchkühen in einer 20-cm-Schicht eingestreut wird. Für das SHL-Projektteam ist das Logistik-Verfahren mit der Rundballenpresse eines, das sich am besten zum Spreutransport eignet. Deshalb soll  das Pressverfahren in weiteren Tests noch untersucht und optimiert werden. Denn das Pressen macht es möglich, dass die Spreu auch handelbar wird.

Wertschöpfung erreichen

«Wir wollen den Spreusammler so weit entwickeln, dass man ihn verkaufen und damit auch etwas verdienen kann», sagt Bernhard Streit. Pro Hektare kann mit einer bis zwei Tonnen Spreu gerechnet werden. Das entspricht einer Wertschöpfung von 200 bis 400 Franken als Strohersatz. «Wenn der Getreidepreis nur knapp den doppelten Strohpreis erreicht, sind solche Überlegungen zur Verbesserung der Wertschöpfung nötig. Gerade auch deshalb, weil die Schweiz jährlich für über 60 Millionen  Franken Stroh importiert.» 

Spreu hat Vorteile

Die Vorteile von Spreu sind den Landwirten bestens bekannt. Mit dem Spreusammlerprojekt hat die SHL so zusagen eine alte Idee neu aufgelegt.  Die Saugfähigkeit von Spreu ist enorm und gross auch die Homogenität. Verstopfungen in den Güllekanälen und beim Gülleausbringen selbst mit dem Schleppschlauch soll es keine geben. Verwendet werden kann Spreu als Futtermittel etwa für Galt- oder Jungkühe. In Frage kommt auch ein Einsatz als Einstreuunterlage bei Erbeerkulturen als Co-Substrat in Biogasanlagen oder als Heizmaterial, etwa in Form von  Pellets.

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Heinz Röthlisberger [20.08.2010 15:22]
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