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Kultur

Die Schweiz inventarisiert ihre lebendigen Traditionen

Ob Märchen, Liedgut oder Volkstheater, Bräuche, Handwerk oder Naturmedizin - die Schweiz erstellt ein Inventar ihrer lebendigen Traditionen. Damit erfüllt sie den ersten Teil einer Unesco-Konvention, die 2008 ratifiziert wurde. Die Liste soll 2012 vorliegen.

Zunächst erfassen die kantonalen Kulturstellen ihr «immaterielles  Kulturerbe» - auch auf Anregung von Einzelpersonen, Vereinen und  Verbänden. Auf der Homepage "Lebendige Traditionen" kann jeder und jede  Eingaben machen. Aus den Vorschlägen der Kantone filtert eine vom Bundesamt für  Kultur (BAK) eingesetzte Expertenkommission in Zusammenarbeit mit  der Hochschule Luzern und der Schweizerischen UNESCO-Kommission um  die 100 heraus.

Bankgeheimnis bewahren

«Ziel der Inventarisierung ist es, die Anerkennung, Aufwertung  und Bewahrung des immateriellen Kulturerbes zu fördern», teilte das  BAK am Donnerstag mit. Dabei dürften neben naheliegenden Dingen wie Fasnacht oder Jodeln  auch originelle «Traditionen» in Frage kommen, wie Walter  Leimgruber, Leiter des Seminars für Kulturwissenschaft und  Europäische Ethnologie der Universität Basel vor den Medien  ausführte.
  
Denkbar wäre etwa die sprichwörtliche Schweizer Pünktlichkeit  oder das reichhaltige Schweizer Vereinswesen. «Vielleicht liesse  sich sogar das Bankgeheimnis dank der Liste retten», scherzte  Leimgruber.

Nord-Süd-Gefälle

Die Anregung, neben dem materiellen Kulturerbe wie Gebäude und  Monumente auch das immaterielle zu inventarisieren, kam ursprünglich  von den Ländern des Südens, erklärte Diego Gradis, Vizepräsident der  Schweizerischen UNESCO-Kommission.

Viele dieser Länder besitzen kaum materielles Kulturerbe, dafür  einen reichen Schatz an Ritualen, Legenden und handwerkliches Know- How. Im Zuge der Globalisierung würden die kulturellen  Ausdrucksformen aber zunehmend «macdonaldisiert» und Traditionen dem  Kommerz geopfert.

Auch die UNESCO-Kulturerbe-Listen bergen die Gefahr der  Kommerzialisierung, warnte Gradis: Die Konvention über das  immaterielle Kulturerbe dürfe keinesfalls dem Tourismus oder  anderweitiger kommerzieller Nutzung von Traditionen zudienen.

Flexibel bleiben

Ausserdem sollte sie nicht dazu missbraucht werden, Traditionen  zu zementieren. Das betonte auch der Ethnologe Thomas Antonietti,  der das Projekt für das immaterielle Kulturerbe des Wallis' leitet.  «Bekanntlich wird das, was wir kulturelles Erbe nennen, weniger  tradiert als vielmehr laufend neu erfunden, transformiert und den  jeweiligen Bedürfnissen angepasst».

Was das heisst, demonstrierte an der Medienkonferenz der Berner  Musiker Bruno Bieri: Er spielte unter anderem Jazz und Klassik auf  dem Alphorn und Rap und Volkslied auf dem von ihm erfundenen  Instrument «Hang» - etwas zwischen Wok und Steeldrum.

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sda [02.09.2010 16:05]
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