Russischer Milchsektor mit Problemen
Trotz aktueller Schwierigkeiten in der russischen Milchwirtschaft werden der Branche langfristig sehr gute Entwicklungschancen eingeräumt, schreibt.
Darüber sind sich ausländische und inländische Experten einig, meldet Age am 16. April. Bei einer Tagung in Moskau gestanden Marktexperten ein, dass die heimische Milcherzeugung 2005 noch einmal um 2 % bis 3 % zurückgehen könnte.
Im vergangenen 2004 war die russische Milchproduktion gegenüber 2003 um 4,2 % auf 31,99 Mio t geschrumpft. Ausländische Rohstoff-lieferungen wären notwendig, damit sich ein prognostiziertes Wachstum des russischen Milchmarktes um 7 % in den nächsten drei Jahren einstellt.
Gleich viel Butter und Käse importiert, wie produziert
Bei Butter, Käse und Milchpulver sollen die Importe Russlands laut einem Bericht der Fachzeitschrift "Milchindustrie" bereits das Niveau der Inlandsproduktion erreichen.
Zu den drängendsten Problemen auf dem russischen Milchmarkt gehören die ausreichende Versorgung der Verarbeitungsbetriebe mit Rohmilch und ein Kapazitätsüberhang im Molkereisektor.
Kriterien von Finanziers zugunsten der "Grossen"
Nur die "Giganten" der Branche werden auf Interesse von Investoren stossen. Kleine und mittelgrosse regionale Produzenten, die zwar an Modernisierungsinvestitionen interessiert sind, haben nur wenig Chancen, Investoren anzulocken, da es ihnen es an einer eigenen Marktstrategie fehlt und sie unter Mängeln in der Verwaltung leiden.
Nachholbedarf der Verbraucher
Expansionsmöglichkeiten für den russischen Milchsektor sieht unterdessen die Union der Milchverarbeiter Russlands. In einer Studie des Verbandes über die Möglichkeiten der Russen, auf dem EU-Milchmarkt Fuß zu fassen, heisst es, das aktuelle Wachstum des "Milchbusiness" regionaler Molkereien erreiche "bis zu 40 % im Jahr bei einer Gesamtdynamik des Marktes von jährlich 15 % bis 20 %".
Im Vergleich dazu wachse der EU-Milchmarkt nicht mehr als 3 % bis 5 %. Der Verband geht bei seiner positiven Einschätzung des Milchmarktes von einem Nachholbedarf der Verbraucher in Russland im Vergleich mit den Konsumenten in der EU aus.
Unterstellt wird dabei, dass mit steigender Kaufkraft der Haushalte der Rückstand tendenziell abgebaut wird. Der Pro-Kopf-Verbrauch in Russland beträgt dem Verband zufolge derzeit 230 l Milchäquivalent pro Jahr gegenüber 500 l in Skandinavien sowie 400 l in Frankreich und Deutschland und 320kg in der Schweiz.