WTO bevorzugt multinationale Firmen
Die Interessen multinationaler Unternehmen haben nach NGO-Angaben in der laufenden WTO-Handelsrunde Priorität. Dadurch würden auch Agro-Unternehmen gestärk.
Die WTO unterminiere so Arbeits- und Menschenrechte sowie die Landwirtschaft in Entwicklungsländern, kritisierten die NGOs (Eine nichtstaatliche Organisation (NGO heisst Non-Governmental Organization und ist eine nicht-gewinnorientierte und auf freiwilliger Arbeit basierende Organisation, Anm. Redaktion) am 20. April in Genf.
«Die Bestimmungen der WTO hat die Regierungen von Entwicklungsländern daran gehindert, die lokale Produktion von Lebensmitteln zu schützen und zu fördern», sagte Peter Rossmann von der International Union of Foodworkers (IUF), der 361 Gewerkschaften in 125 Ländern angeschlossen sind.
Statt dessen seien seit der Gründung der WTO vor zehn Jahren intensive exportabhängige Modelle landwirtschaftlicher Produktion gefördert worden. Dadurch sei der Lebensstandard und das Recht auf Nahrung in ländlichen Gebieten geschwächt und die Position multinationaler Agro-Unternehmen gestärkt worden.
Von Selbstversorgung in Abhängigkeit
So seien die Philippinen früher Selbstversorger von Reis gewesen. Heute seien sie ein grosser Importeur von subventioniertem Reis. In Burkina Faso gebe es derzeit keine einheimischen Hühner zu kaufen. Der lokale Markt sei durch subventionierte Importe aus Frankreich ersetzt worden.
In den vergangenen zehn Jahren seien 54 Länder ärmer geworden. In mindestens 20 von ihnen habe der Hunger zugenommen.
Daniel Mittler von Greenpeace International sagte, vor zehn Jahren habe die WTO versprochen, die Umwelt zu schützen. Dieses Versprechen jedoch nicht eingehalten, der Verbrauch von natürlichen Ressourcen nehme zu. Die WTO stelle sich als multilaterale Organisation dar, gefährde in Wirklichkeit aber die UNO-Abkommen zum Schutz von Mensch und Umwelt.
Maria Riley von International Gender an Trade Network wies darauf hin, dass Handel nicht gender-neutral (geschlechtsneutral) sei. Obwohl Frauen den Hauptbeitrag zu Landwirtschaft, Dienstleistungen und verarbeitenden Industrie leisteten, seien Themen der gleichen Rechte von Frau und Mann sowie sozialer Entwicklung nicht auf der Traktandenliste der WTO.
Das WTO-Abkommen über den Handel mit Dienstleistungen (GATS), das Privatisierung und Deregulierung fördere, habe negative Auswirkungen für Frauen. Wenn beispielsweise in den USA Patienten kurz nach einer Operation aus dem Spital nach Hause geschickt würden, würden Pflegekosten nicht gespart, sondern auf die einzelnen Haushalte, meist die Frauen, abgewälzt.