Zukunftsstudie: Fleischberg bleibt aus
Die Aussicht, dass der Fleischmarkt wegen der Verschiebung im Milchsektor aus den Fugen gerät, widerlegt ein Forscherteam.
Das Bundesamt für Landwirtschaft (BLW) wollte wissen, ob es wegen der bevorstehenden Abschaffung der Milchkontingentierung in den kommenden Jahren eine Verschiebung in Richtung Fleischproduktion geben wird.
Aus diesem Grund hat ein Forscherteam der ETH Zürich und von Agroscope FAT Tänikon den Auftrag erhalten, in drei wissenschaftlichen Studien diese Frage zu beantworten und darauf aufbauend eine Synthese zu erarbeiten.
Die Verschiebungen im Milchmarkt und in der -produktion würden in Zukunft kaum negative Auswirkungen auf den Fleischmarkt haben, heisst es nun im Bericht, den das BLW veröffentlicht hat.
Stabile Milchproduktion und extensive Haltung
Zwei Hauptgründe liessen sie zu diesem Schluss kommen, sagt Christian Flury, einer der drei Verfasser der Synthese: «Einerseits zeigen die Untersuchungen, dass die Milchproduktion in den nächsten Jahren weit gehend stabil bleibt.
Darüber hinaus bewirtschaften die reinen Fleischproduktionsbetriebe ihr Grünland im Vergleich zu den Milchproduzenten extensiver und halten damit weniger Tiere je Hektare Fläche. Gesamthaft reduziert sich damit der Druck auf den Fleischmarkt, wenn Betriebe aus der Milchproduktion aussteigen.»
Dennoch: Ein allfälliger Preisdruck auf dem Fleischmarkt wird von den Beziehungen zwischen zusätzlichen Importen und der inländischen Angebotsreduktion abhängen.
Mit anderen Worten: Wenn im Rahmen der laufenden WTO-Runde eine grössere Fleischimportmenge vorgeschrieben wird, müssen die Produzenten von Rind- und Kalbfleisch künftig flexibler auf Markttrends eingehen. Ansonsten droht ein Preiszerfall.
Milch wird zentraler produziert
In der Forschungsarbeit wurde ebenfalls erhoben, wie die Produzenten die Entwicklung des Milchpreises einschätzen. Dabei zeigte sich, dass Betriebe, die ihre Milchproduktion in der Vergangenheit eingeschränkt haben, die Preisentwicklung deutlich pessimistischer sehen als diejenigen mit einer ausgedehnten Milchproduktion.
Von den befragten Betriebsleitern wollen sich je 15 Prozent entweder voll auf die Milchproduktion konzentrieren oder aufgeben. 30 Prozent gehen davon aus, dass sie ihre Produktionsmenge in den nächsten drei Jahren ausdehnen werden.
Trotzdem soll es laut Synthese zu keiner Milchschwemme kommen. Dort geht man von einer konstanten oder minimal sinkenden Milchmenge aus.